Concerto | 3

Jene Menschen, die musikalisch ausschließlich in Schubladen denken, werden es hier schwer haben. „Es lebe das Dazwischen!“ lautet das Credo der neuen Produktion von Sängerin Marina Zettl. Die gebürtige Grazerin, deren Lebensmittelpunkt sich mittlerweile in Wien befindet, hat ja bereits mit ihren letzten Projekten eine äußerst erfolgreiche musikalische Gratwanderung zwischen Pop und Jazz unternommen, mit dem Pianisten Michael Kahr als Miss Mister (CD „Bittersweet, cracked anegg, 2008) und dem Album „Fikus“ (cracked anegg, 2010) mit dem Gitarristen Thomas Mauerhofer. Dem Label cracked anegg und Thomas Mauerhofer ist Maria Zettl auch mit „Thin Ice“ treu geblieben. Die beiden treten einmal mehr als kongeniales Komponisten-Paar in Erscheinung. Mauerhofer übernimmt mit seiner 8-saitigen Gitarre äußerst versiert auch die Bass-Parts. Die aktuelle Band komplettieren noch der Akkordeonist und Keyboarder Christian Bakanic sowei der Schlagzeuger Jörg Haberl.
Mit den Ingredienzien Pop, Jazz und Rhythm & Soul kreiieren die vier Musiker ihr weites musikalisches Universum. Dabei überzeugt die Formation mit originellen und peppigen Arrangements, die iddenreich musikalisch umgesetzt werden. So wird etwa der Soul-Ohrwurm „They Can Talk Away“ mit einem charmanten Akkordeonsolo gwürzt. In den souligen Stücken wie dem groovenden „Little Miss Wise Guy“ kommen die Qualitäten der Jazzsängerin Marina Zettl so richtig zum Vorschein.
Die Vokalistin hat an der Kunstuniversität Graz unter anderem bei Mark Murphy und Jay Clayton Jazzgesang studiert. Mit ihrer klaren, kräftigen udn so angenehm schnörkellosen Stimme überzeugt sie in allen Gesangssituationen, freilich auch in intimen Balladen wie „Hug In A Cup“, wo sie von Thomas Mauerhofer an der akustischen Gitarre ganz wunderbar begleitet wird. Auch die Songs mit deutschem Text, etwa „Vor Deiner Tür“, kommen ganz unprätentiös und natürlich daher. Das Titelstück „Thin Ice“, eine sehr emotionsgeladene Ballade, steht am Ende des Albums. Hier verdichtet sich die musikalische Energie, die Intensität steigert sich auf ein Maximum, was beim Hörer einen starken Eindruck hinterlässt. Das Album sollte – obwohl im Studio eingespielt – den Charakter einer Live-Platte haben. Dabei setzt man ganz auf die „Kraft der berühmten First Takes – mit ihren Ecken und Kanten“, so Marina Zettl.
Wer die Gelegenheit hat, die Formation live zu sehen, sollte diese nutzen. Die quirlige Sängerin und ihre drei Begleiter geben nicht nur musikalisch eine hinreißende Bühnenperformance.

Jörg Weitlaner – Juni/Juli 2012

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