NÖN – 21/26
Ein Album für Ihre Schwester
Die Pressbaumer Cellistin Sophie Abraham erzählt auf ihrem neuen Album „The Beauty in Between“ sehr persönliche Geschichten – von ihrer Familie, ihrer Schwester und ihrem Leben im Wienerwald.
Die Pressbaumer Cellistin Sophie Abraham legt mit „The Beauty In Between“ ihr zweites Soloalbum vor – und erzählt darin offen aus ihrem eigenen Leben. Es geht um Familie, Verlust, das Durchhalten und um die vielen Zwischentöne.
Schon ihr Debüt „Brothers“ sorgte für Aufmerksamkeit – es wurde für den Amadeus Austrian Music Award sowie den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Mit dem neuen Werk wird Abraham noch persönlicher. „Das Dazwischen ist oft kleiner, als ich es gerne hätte“, sagt sie – und genau diesen Raum macht sie hörbar.
Besonders berührend ist die Geschichte hinter dem Titelstück. Sie führt zu ihrer Schwester Bettina – der ältesten von sechs Kindern, während Sophie selbst die jüngste ist. „In meiner Erinnerung war sie immer lieb, geduldig und lustig mit mir“, erzählt sie. Bettina war erfolgreiche Geigerin, musste ihre Karriere aber nach einer MS-Erkrankung aufgeben. Im Sommer 2025 kam es zu einem besonderen Moment: Die beiden musizierten gemeinsam. Sophie am Cello, Bettina im Rollstuhl mit Mikrofon. Während Sophie spielte, begann ihre Schwester zu summen. Aus dieser Aufnahme entstand später das Stück „The Beauty in Between“. „Ich habe es so genannt, weil ich meiner Schwester damit sagen möchte, dass ich sie toll finde und das Leben unfair ist“, sagt Abraham. „Ich bewundere, wie sie es mit ihrer Familie schafft, trotzdem intensiv zu leben, alles auszukosten und Abenteuer anzugehen.“
Abrahams Musik entsteht direkt im Tun. „Je ungewöhnlicher die Situation, desto besser“, sagt sie. Mal sitzt sie spät abends im Hotelzimmer auf dem Bett und spielt, mal bleibt sie nach einem Konzert noch auf der Bühne. Sie probiert viel aus, nimmt Ideen auf, entwickelt sie weiter – und verwirft auch vieles wieder. Erst am Ende entstehen daraus fertige Stücke und Noten.
Auch ganz Alltägliches taucht in ihren Erzählungen zur Entstehung des Albums auf – etwa ihre Tierschutzhündin Toska. Anfangs war sie für die Familie eine große Herausforderung und hat sie, wie Abraham sagt, „ziemlich überfordert“. Während der Aufnahmen zum Album war die Hündin dann aber einfach dabei – und lag ganz ruhig neben ihr.
Seit acht Jahren lebt Sophie Abraham in Pressbaum. Die Region ist für sie ein wichtiger Teil ihres Alltags: „Der Wienerwald, in dem ich jeden Tag, wenn ich hier bin, mit unserer Hündin Toska weite Spaziergänge mache, beglückt mich jedes Mal wieder aufs Neue“, sagt sie. „Dieser üppige Wald, wo ich immer noch neue Wege entdecke, gibt mir viel Dankbarkeit.“ Sie lebt mit ihrer Familie im Wohnprojekt „Brot Pressbaum“. „Dort ernten wir viele Früchte des Zusammenlebens. Auch Kindergarten und Volksschule passen für unsere Kinder sehr gut – nur Radwege braucht es bessere“, sagt sie. Zu ihren Lieblingsorten zählen der Hagen und der Pfalzberg – und Momente, „wenn sich im Wald plötzlich eine Weite auftut“.
Ihr neues Album präsentiert sie auch bewusst vor Ort: Am Mittwoch, 3. Juni beim Pre-Release-Konzert in BROT Pressbaum und am Sonntag, 28. Juni im Sacre Coeur Pressbaum. Weitere Termine sind auf sophie-abraham.com zu finden.
Birgit Kindler – KW 21/26
