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the post- klezmer experience | Klezmermusik im 3. Jahrtausend
NIFTY´S haben sich innerhalb kürzester Zeit in der österreichischen Musikszene etabliert: Newcomer World- Music Preis 2006, erste CD- Veröffentlichung 2007, Auftritte bei „glatt & verkehrt“ und beim Jazzfestival Saalfelden und die Auszeichnung zum Künstler des Jahres 2007 im Rahmen von „40 Jahre Ö1“ umreißen den raschen Aufstieg der fünf jungen Musiker. Mit ihrer brandneuen, zweiten CD „ Naftularasa“ kommen NIFTY´S nun erstmals nach Vorarlberg! NIFTY´S Verbeugung vor der Klezmertraditon jongliert souverän mit einem packenden Konglomerat aus Jazz, Funk, Underground- Rock, Ska und Punk. Das Resultat klingt mehr nach New York als Wien – ebenso radikal wie elegant gespielt – mit viel Raum für Improvisation, den die Bandmitglieder mit virtuosem Spielwitz ausfüllen. „Unzamusik mit Ecken und Kanten, Uptempowahnsinn und Improvisation“, so beschreiben die Bandmitglieder selbst ihren musikalischen Stil. Im soundprägenden Zentrum stehen die erdigen, aber verspielten Gitarren von Fabian Pollack und Michael Bruckner und die expressionistischen Trompetensequenzen von Thomas Berghammer. Das sichere Fundament bilden die kräftigen Drums- und Bass- Dialoge von Mathias Koch und Dominik Grünbühel.
NIFTY´S spielen größtenteils Eigenkompositionen – Großstadtmusik, die die Band davor bewahrt in übliche Schubladen gesteckt zu werden. „NIFTY´S machen Naftularasa. Jeder hat seine Funktion, seine Rolle, seine Position, seine Pose. Aus einem Rollenbild aussteigen lässt sich nur, wenn man vorher in einem drinnen war. Genau damit spielen – im mehrfachen Sinne – die Herren von NIFTY´S. Sie entwerfen eine Hörerwartung, um dieser dann nicht zu entsprechen. Sie rollen den roten Teppich aus, um ihn dann unter den Ohren wegzuziehen. So kann etwa eine Einleitung federleicht wie Roberto Benigni klingen (also zwischen Zirkus und Jim Jarmusch) – um dann einem robusten Schwermetalltransporter Platz zu machen. Ein „gschlapfter“ Polka- Schritt verändert sich – fast unmerklich – und wird zum schwebenden 7er. Ein rhythmisches Versatzstück aus der Klezmer- Tradition verheißt einen fröhlichen „freijlach“, wird dann jedoch aufgehalten, und frisst sich wie eine blockierte Kreissäge in den Boden der Musik. Wieso dies alles dann doch so selbstverständlich klingt, logisch wirkt, und auch vergnüglich bleibt, dürfte zunächst einmal daran liegen, dass die Band ganz einfach über meisterhaftes Handwerk verfügt, aus dem sich dann ja auch die wundervollsten Verrücktheiten bauen lassen. Schließlich fühlt sich NIFTY´SNifty verpflichtet: Naftule Brandwein (1889- 1963), genannt Nifty, geboren im polnischen Galizien, gestorben in New York, war ein Klezmer, ein Musiker der jüdischen Diaspora. Brandwein spielte die Es- Klarinette, die in gewissen Musikerkreisen einfach „the screamer“ genannt wird. Er musizierte extrem und lebte extrem. Trotz seiner exzentrischen Persönlichkeit blieb seine Musik jedoch stets: nifty. elegant. attraktiv. raffiniert. schick. Das war seine Haltung: Unberechenbar – aber nie geschmacklos. Im Endeffekt geht es ja nie um einen Stil, ein Genre, oder eine sonstige Zuordenbarkeit. Im Endeffekt geht es immer um eine Haltung.“, so Albert Hosp, Musikredakteur bei Ö1.

29.10.09

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