Concerto
Kraft im Dazwischen
Sophie Abraham und ihr neues Album „The Beauty in Between“
Die in Österreich lebende Journalistin Sophie Abraham bewegt sich seit Jahren mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit entlang musikalischer Übergänge. Klassik, zeitgenössische Musik und experimentelle Klangräume greifen ineinander, ohne dass sich ihre Arbeit eindeutig festlegen ließe. Nach ihrem Debutalbum „Brothers“ (2021), das unter anderem für den Amadeus Award nominiert war, legt sie nun ein Album vor, das noch stärker ins Persönliche geht.
Die neuen Stücke des Albums sind eng mit biografischen Erfahrungen verknüpft. Besonders eindrücklich wird das in „Roadtrip“, das aus einer Phase tiefer persönlicher Erschütterung entstanden ist und das Album ruhig und klar eröffnet. „Der unsichtbare Titel des Stückes ist ‚ins Innere'“ sagt Abraham. Der Tod ihres Vaters im Herbst 2024 bildet den Hintergrund: „Alles war schwer, drückend, dicht, unsicher. Ich fühlte, dass ich mich auf eine Reise in mein Inneres begeben musste.“ Auch der Titeltrack geht auf eine persönliche Begegnung mit ihrer Schwester zurück, die aufgrund einer Erkrankung nicht mehr Geige spielen kann. „Wenn ich mir was ausdenke, klingt es immer irgendwie nach Bach“, erinnert sich Abraham. Aus einer improvisierten Aufnahme entstand ein kurzes, konzentriertes Stück. „Ich möchte meiner Schwester damit sagen, dass ich sie toll finde und das Leben unfair ist.“
Musikalisch zeigt sich die Bandbreite des Albums in vielen kleinen Stimmungswechseln. „Pizza, Pazza“ setzt mit seinem Pizzicatospiel einen Kontrast und bringt eine fast bluesige Färbung ins Klangbild. „Stille in D“ und „Stille(n) in E“ wirken zurückgenommen und nach innen gerichtet, getragen von einer dichten, ruhigen Grundstimmung. In „Westpol“ tritt Abrahams Gesang stärker in den Vordergrund und verleiht dem Stück eine sinnliche Präsenz. „Can you hear the sand whisper“ greift gesangliche Elemente auf, die an volksmusikalische Tradition erinnern, kombiniert mit einem fein gearbeiteten Pizzicato. „One, Six, Papa Joseph & me“ wiederum entwickelt eine eigene Dynamik – intensiv im Ausdruck, zugleich mit einem subtilen Groove.
Sophie Abraham kümmert sich selbst um Komposition, Cello, Stimme und die Aufnahmen – das macht die Musik direkt und unverstellt. Unterstützt wird sie von Lukas Klement, der das Mixing übernimmt und auch als Schlagzeuger und Produzent mitwirkt. Beim Track „Stille Remix“ ist Milan van Lyn dabei, das Mastering kommt von Samuel Irl. Das Ergebnis ist ein direkter, persönlicher Sound mit klarer Produktion.
hörb – Juni 2026
