Der Standard – Kultur | Alben der Woche
Der gute Ton: Vom Reiz der Grenzgänge
Cellistin Sophie Abraham mit starkem Folgewerk, Tausendsassa Pippo Corvino mit Ohrwürmern und Saxofonist Guido Spannocchi mit hübschen Arrangements
So sehr einen Schicksalsschläge aus der Bahn werfen können – sie eröffnen kreativen Geistern mitunter neue, schöpferische Wege. Sophie Abraham hatte bereits ihr erstes Solo-Album einer Familientragödie gewidmet (Brothers, 2021), nun hat das Ableben ihres Vaters markante Spuren auf dem Folgewerk The Beauty in Between hinterlassen: Mit einer schlichten, anrührenden Melodie erzählt der Opener Roadtrip von einer Erkundungsreise in schattigen Seelenregionen. Wie schon auf Brothers arbeitet die grenzgängerische Cellistin (radio.string.quartet) erfrischend stiloffen: Da können groovige Cello-Riffs forsch vorandrängen und sich mit zarten Vokalisen mischen (Pizza Pazza), atmosphärische Klanglandschaften gleichermaßen naiv anmuten wie zugleich Raffinesse besitzen dank elektronischer Beigaben. Live am 4. Juni im Wiener Musikverein.
Christoph Irrgeher – 01.06.26
